Akquise in der Zeitarbeit bedeutet, neue Kundenbetriebe für die Überlassung von Personal zu gewinnen. Die wirksamsten Kanäle sind Telefonakquise, Empfehlungen und der aktive Profilvertrieb. Öffentliche Stellenanzeigen sind dabei das stärkste Signal für konkreten Bedarf.

Fast jeder Zeitarbeitsbetrieb kann Personal einstellen. Die eigentliche Engstelle ist der Vertrieb: Wer keine Kundenbetriebe gewinnt, hat qualifizierte Mitarbeiter ohne Einsatz. Die verstärkte Neukundengewinnung zählt für viele Personaldienstleister zu den wichtigsten Maßnahmen, um die eigene Marktposition zu verbessern. Der Wille ist also da. Was fehlt, ist meist ein systematischer Ansatz statt Akquise nach Zufall. Dieser Beitrag zeigt, welche Kanäle in der Zeitarbeit funktionieren, was bei der Telefonakquise rechtlich erlaubt ist und wie Sie Ihren Vertrieb so aufsetzen, dass er planbar Kunden bringt.

Was Akquise in der Zeitarbeit bedeutet

Akquise umfasst alle Maßnahmen, mit denen ein Zeitarbeitsunternehmen neue Kundenbetriebe gewinnt. Anders als im Endkundengeschäft geht es nicht um Konsumenten, sondern um Unternehmen, die kurzfristig oder dauerhaft Personal benötigen.

Der Kern der Akquise ist die Erstansprache von Betrieben, zu denen noch keine Geschäftsbeziehung besteht. Diese Kaltakquise ist anspruchsvoll, weil sie ohne Vorwärmung auskommen muss. Sie ist aber zugleich der direkteste Weg zu neuen Aufträgen, wenn sie gezielt statt breit gestreut erfolgt.

Wichtig ist die Unterscheidung zwischen Akquise und reiner Werbung. Akquise ist der aktive, direkte Kontakt zu einem konkreten Zielkunden. Werbung schafft Sichtbarkeit, ersetzt aber nicht das Gespräch, das am Ende zum Auftrag führt.

Warum Neukundengewinnung über den Erfolg entscheidet

Der Personaldienstleistungsmarkt ist umkämpft, und Unternehmen wechseln ihren Zeitarbeitspartner selten von sich aus. Wer wachsen will, muss aktiv neue Kundenbetriebe gewinnen, statt auf eingehende Anfragen zu warten.

Erschwerend kommt hinzu, dass in vielen Bereichen mehr offene Stellen als verfügbare Kandidaten existieren. Der klassische auftragsbasierte Vertrieb, bei dem erst ein Auftrag hereinkommt und dann gesucht wird, stößt damit an seine Grenzen. Erfolgreiche Zeitarbeitsbetriebe kombinieren deshalb die klassische Bedarfsakquise mit dem aktiven Profilvertrieb und einer systematischen Nachverfolgung.

Welche Zielbranchen sich für Zeitarbeit eignen

Nicht jeder Betrieb ist ein lohnender Zielkunde. Für die Zeitarbeit sind Branchen mit strukturell hoher Fluktuation und wiederkehrendem Personalbedarf am attraktivsten, weil der Bedarf nicht einmalig, sondern planbar wiederkehrend entsteht.

Ein erfolgversprechender Ansatz ist die Spezialisierung. Kundenbetriebe bevorzugen häufig Dienstleister mit klarer Branchenexpertise gegenüber Anbietern, die alles gleichzeitig bedienen wollen. Wer sich auf ein bis zwei Branchen konzentriert, kann Zielkunden präziser ansprechen und sich als Spezialist positionieren.

Welche Kaltakquise ist erlaubt?

Bevor Sie zum Hörer greifen, sollten Sie die rechtlichen Grenzen kennen. Die maßgebliche Norm ist § 7 des Gesetzes gegen den unlauteren Wettbewerb (UWG), der Werbung regelt, die eine unzumutbare Belästigung darstellt.

Für die Telefonakquise gilt: Gegenüber Unternehmen ist ein Werbeanruf nach § 7 Abs. 2 Nr. 1 UWG zulässig, wenn eine mutmaßliche Einwilligung des angerufenen Unternehmens vorliegt. Eine solche Einwilligung darf angenommen werden, wenn aufgrund konkreter Umstände ein sachliches Interesse des Angerufenen an dem Anruf vermutet werden kann. Gegenüber Verbrauchern ist Telefonwerbung ohne vorherige ausdrückliche Einwilligung dagegen verboten.

Ein Urteil des Bundesverwaltungsgerichts (Aktenzeichen 6 C 3.23) hat die Anforderungen an diese mutmaßliche Einwilligung verschärft. Ein bloß allgemeiner Branchenbezug genügt nicht mehr. Der Anrufer muss bei verständiger Würdigung annehmen dürfen, dass der Angerufene den Anruf erwartet oder ihm zumindest positiv gegenübersteht.

Für die Zeitarbeit ist das eine gute Nachricht. Eine öffentliche Stellenanzeige begründet ein konkretes, mutmaßliches Interesse an einem Anruf eines Personaldienstleisters. Wer also einen Betrieb anruft, der aktiv Personal im passenden Bereich sucht, bewegt sich auf rechtlich tragfähigem Boden. Wahlloses Durchtelefonieren von Branchenverzeichnissen dagegen nicht.

Bei der E-Mail-Akquise ist die Rechtslage strenger. E-Mail-Werbung an Geschäftskunden ist nach § 7 Abs. 2 Nr. 2 UWG ohne vorherige ausdrückliche Einwilligung grundsätzlich unzulässig. Eine mutmaßliche Einwilligung wie beim Telefon gibt es hier nicht. Das Telefon ist damit im B2B nicht nur der wirksamste, sondern auch der rechtlich sauberste Erstkontakt-Kanal.

Dieser Abschnitt ist eine praxisnahe Einordnung und ersetzt im Einzelfall keine Rechtsberatung. Rechtsstand: August 2026.

Welche Wege der Kundengewinnung funktionieren

Erfolgreiche Akquise setzt selten auf einen einzigen Kanal, sondern kombiniert mehrere Wege. Die folgende Übersicht zeigt die wichtigsten Kanäle für Zeitarbeitsbetriebe mit ihren Stärken.

KanalStärkeEignung
TelefonakquiseDirekter Erstkontakt, rechtlich sauber im B2BBetriebe mit erkennbarem Bedarf
ProfilvertriebKonkretes Angebot statt allgemeiner WerbungVerfügbare Kandidaten mit gefragtem Profil
EmpfehlungenHohes Vertrauen, geringer AufwandZufriedene Bestandskunden
Social Selling (LinkedIn, Xing)Beziehungsaufbau zu EntscheidernHR-Leitung, Geschäftsführung
Netzwerke und VerbändeZugang über persönliche KontakteRegionale Wirtschaftsnetzwerke, IHK
BestandskundenpflegeFolgeaufträge mit wenig AufwandEhemalige und aktive Kunden

Telefonakquise als direkter Weg

Die Telefonakquise bleibt im B2B der wirksamste Erstkontakt. Rufen Sie den richtigen Ansprechpartner direkt an, in der Regel die Personalleitung, die Produktionsleitung oder die Geschäftsführung. Fragen Sie nicht direkt nach einem Auftrag, sondern nach dem aktuellen Personalbedarf, etwa bei Auftragsspitzen oder Urlaubsvertretungen. Ziel des ersten Gesprächs ist ein Termin, nicht der sofortige Abschluss.

Ein bewährter Gesprächseinstieg bleibt kurz und nennt sofort den Anlass. Statt lange über das eigene Unternehmen zu sprechen, benennen Sie den konkreten Bezug: dass Sie gesehen haben, dass der Betrieb eine bestimmte Position sucht, und dass Sie kurzfristig passende, qualifizierte Kräfte verfügbar haben. Halten Sie das Erstgespräch freundlich und knapp, das Ziel ist ein Folgetermin, nicht der Abschluss am Telefon.

Empfehlungen und Bestandskunden

Zufriedene Kunden sind oft die beste Quelle für neue Aufträge. Fragen Sie aktiv nach Empfehlungen und halten Sie regelmäßigen Kontakt zu bestehenden Kundenbetrieben. Ehemalige Kontakte lassen sich reaktivieren, denn Folgeaufträge sind meist mit weniger Vertrauensaufwand verbunden als die Erstansprache.

Social Selling über LinkedIn und Xing

Der Aufbau einer sichtbaren fachlichen Präsenz auf beruflichen Netzwerken bringt Sie mit Entscheidern ins Gespräch, bevor der konkrete Bedarf entsteht. Regelmäßige Inhalte zu Themen wie Fachkräftemangel, Personalplanung oder Arbeitsmarktentwicklung positionieren Sie als kompetenten Ansprechpartner.

Profilvertrieb: Kandidaten aktiv anbieten

Der klassische Vertrieb wartet auf einen Auftrag und sucht dann den passenden Kandidaten. Der Profilvertrieb dreht dieses Prinzip um. Statt auf Anfragen zu warten, bauen Sie einen Bewerberpool auf und bieten konkrete Kandidatenprofile aktiv bei Unternehmen an, die genau diese Qualifikation suchen.

Das Prinzip ist einfach: Sie kontaktieren einen Betrieb nicht mit der Frage, ob er Bedarf hat, sondern mit einem konkreten Angebot. Sie präsentieren ein anonymisiertes Kurzprofil eines verfügbaren Kandidaten und einen sachlichen Bezug, warum dieser zum Unternehmen passt.

Der Vorteil liegt auf der Hand. Ein konkretes Profil ist ein stärkeres Gesprächsargument als ein allgemeiner Werbeanruf. Der Entscheider erkennt sofort den möglichen Nutzen, und das Gespräch dreht sich um eine konkrete Person statt um eine abstrakte Dienstleistung.

Für den Profilvertrieb sprechen Sie idealerweise den fachlichen Entscheider direkt an, etwa den Abteilungs- oder Produktionsleiter, nicht nur die Personalabteilung. Der Fachbereich, der dringend eine Fachkraft braucht, reagiert unmittelbarer auf ein passendes Profil als eine allgemeine HR-Weiterleitung.

Ein wichtiger Hinweis zum Datenschutz: Auch beim Profilvertrieb gelten die Regelungen zu personenbezogenen Daten. Kandidatenprofile sollten anonymisiert präsentiert werden, und für die Weitergabe personenbezogener Daten ist nach DSGVO eine Rechtsgrundlage erforderlich, in der Regel die Einwilligung der betroffenen Person.

Welche Fehler die Akquise ausbremsen

Viele Akquise-Bemühungen scheitern nicht am Markt, sondern an vermeidbaren Fehlern im eigenen Vorgehen.

Wie Sie Ihre Akquise systematisieren

Erfolgreiche Akquise ist kein Zufall, sondern ein Prozess. Wer Zielkunden, Ansprache und Nachverfolgung systematisch aufsetzt, macht seinen Vertrieb planbar statt vom Tagesgeschäft abhängig.

Ein bewährter Rahmen kombiniert klare Zahlen mit fester Routine. Legen Sie fest, wie viele neue Zielunternehmen Sie pro Monat recherchieren, wie viele telefonische Erstkontakte Sie pro Woche anstreben und wann Sie welche Kontakte wieder aufgreifen. Dokumentieren Sie alle Kontakte konsequent, damit kein Interessent verloren geht und Sie den Überblick über Ihre Vertriebspipeline behalten.

Der entscheidende Punkt ist die Nachverfolgung. Ein einmaliger Anruf ohne Wiedervorlage verpufft. Bedarf entsteht oft nicht im Moment des ersten Kontakts, sondern erst später. Wer dann noch präsent ist, gewinnt den Auftrag.

Ihre ersten Schritte in die Akquise

Wählen Sie ein bis zwei Zielbranchen mit erkennbar hohem Personalbedarf und bauen Sie daraus eine Liste konkreter Zielunternehmen mit aktuellen Stellenanzeigen auf. Setzen Sie sich eine feste wöchentliche Zahl an Erstkontakten, die neben dem Tagesgeschäft realistisch ist. Und dokumentieren Sie jeden Kontakt mit Wiedervorlage, denn der Auftrag entsteht selten beim ersten Anruf, sondern beim richtigen Nachfassen.

Häufige Fragen zur Akquise in der Zeitarbeit (FAQ)

Wie mache ich richtig Akquise in der Zeitarbeit?

Erfolgreiche Akquise kombiniert eine klare Zielgruppendefinition mit direkter Ansprache und konsequenter Nachverfolgung. Konzentrieren Sie sich auf Branchen mit hohem und wiederkehrendem Personalbedarf, sprechen Sie Entscheider direkt an und dokumentieren Sie jeden Kontakt für die Wiedervorlage.

Welche Kaltakquise ist in der Zeitarbeit erlaubt?

Telefonakquise gegenüber Unternehmen ist nach § 7 Abs. 2 Nr. 1 UWG bei mutmaßlicher Einwilligung erlaubt, etwa wenn ein Betrieb über eine Stellenanzeige aktiv Personal sucht. E-Mail-Werbung an Geschäftskunden ist ohne vorherige Einwilligung dagegen grundsätzlich unzulässig.

Was ist Profilvertrieb in der Zeitarbeit?

Beim Profilvertrieb bieten Sie einem Unternehmen aktiv einen konkreten, verfügbaren Kandidaten an, statt auf einen Auftrag zu warten. Sie präsentieren ein anonymisiertes Kurzprofil und einen sachlichen Bezug zum Bedarf des Betriebs. Das macht das Erstgespräch konkreter als einen allgemeinen Werbeanruf.

Wen sollte ich im Unternehmen ansprechen?

Idealerweise den fachlichen Entscheider direkt, etwa die Abteilungs- oder Produktionsleitung. Der Fachbereich mit akutem Personalbedarf reagiert schneller auf ein konkretes Angebot als eine allgemeine Weiterleitung über die Personalabteilung.

Welche Kanäle eignen sich für die Kundengewinnung?

Am wirksamsten sind Telefonakquise, Profilvertrieb, Empfehlungen von Bestandskunden und Social Selling über berufliche Netzwerke. Eine Kombination mehrerer Kanäle bringt bessere Ergebnisse als ein einzelner Weg.

Wie finde ich Betriebe mit aktuellem Personalbedarf?

Öffentliche Stellenanzeigen sind das deutlichste Signal für konkreten Bedarf. Betriebe, die wiederholt oder in großer Zahl Stellen ausschreiben, sind besonders lohnende Zielkunden, weil der Bedarf dort wiederkehrend ist.

Wie oft sollte ich nachfassen?

Regelmäßig, aber mit Mehrwert. Da Personalbedarf oft erst Wochen oder Monate nach dem Erstkontakt entsteht, lohnt sich eine strukturierte Wiedervorlage. Wer im richtigen Moment präsent ist, gewinnt den Auftrag.